Berufspolitische Positionen 2026–2031

Im September 2026 finden die Wahlen zum neunten Landtag Mecklenburg-Vorpommern statt. Die Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern vertritt die berufspolitischen Interessen der eingetragenen Architekt:innen, Innenarchitekt:innen, Landschaftsarchitekt:innen und Stadtplaner:innen im Land.

Für die Legislaturperiode 2026–2031 hat die Kammer ihre berufspolitischen Positionen formuliert und den demokratischen Parteien im Vorfeld der Landtagswahl übermittelt.

Im Fokus stehen sechs zentrale Handlungsfelder. Das Ziel: Planung stärken und Qualität sichern!

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Position 1: Freie Berufe stärken!

Wir nutzen vielfältige Potenziale und Gestaltungsspielräume in M-V – die Architektenschaft engagiert sich mit ganzheitlichen Konzepten, innovativen Ideen, manchmal mit nur kleinen Impulsen für eine sichtbare Lebensqualität, für nachhaltige Lebensperspektiven im Land. Wir sind Partner für alle Beteiligten, in allen Planungsprozessen und manchmal darüber hinaus – für Auftraggeber, Nutzer und Fachplaner, für Behörden und Baufirmen, für Ministerien und Politik. Wir benötigen gemeinschaftliches und fokussiertes Handeln aller Akteure, beste digitale Kommunikation und Infrastruktur im Flächenland, in allen Landesteilen Absolventen, Berufsträger und Akteure mit außergewöhnlichem Gestaltungswillen und starkem Herz für M-V!

Susann Milatz, Architektin und Stadtplanerin, Vizepräsidentin der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern, Mitglied im Vorstand des Landesverbandes Freier Berufe M-V

Freie Berufe sichern Qualität, Unabhängigkeit und Verantwortung. Sie treffen Entscheidungen im Interesse des Gemeinwohls – nicht nach politischen oder wirtschaftlichen Vorgaben. In der Architektur heißt das: Planung mit Haltung, Nachhaltigkeit und Fachkompetenz für eine lebenswerte gebaute Umwelt.

Matthias Proske, Landschaftsarchitekt, Vorstandsmitglied der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern

Rund 9.000 Angehörige Freier Berufe in Mecklenburg-Vorpommern übernehmen täglich unabhängig und eigenverantwortlich gemeinwohlorientierte Aufgaben für die Menschen im Land. Sie werden in politischen Systemen jedoch selten als relevante und stabilisierende Säule der regionalen Wirtschaft wahrgenommen. Dabei leisten sie als hoch qualifizierte und geprüfte Fachkräfte einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Sie sind sowohl freischaffend als auch in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen tätig. Allein in Mecklenburg-Vorpommern sichern sie über 30.000 Arbeitsplätze.

Architekten und Stadtplanerinnen sind typische Freiberufler. Sie gehören u. a. gemeinsam mit Ingenieuren, Ärzten, Zahnärzten und Apothekern, Anwälten und Notaren, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern zu den Freien Berufen. Ihr Wirken wird durch selbst verwaltete berufsspezifische Kammern begleitet, die für die hohe Kompetenz und Qualität ihrer Mitglieder stehen. Als hoheitlich geprüfte Erbringer gemeinwohlorientierter Dienstleistungen könnten Architektinnen und Stadtplaner Verwaltungsprozesse stärker als bisher entlasten, indem der Nachweis ihrer geprüften Expertise öffentliche Verwaltungs- und Prüfprozesse entlastet. Dafür benötigen wir das Vertrauen und eine stärkere Anerkennung unserer Leistungen durch Politik und Wirtschaft sowie substanzielle Unterstützung des Landes in der Entwicklung und Konsolidierung der Berufskammern bei der Erfüllung der gesetzlich definierten Aufgaben.

Ganz konkret fordern wir von der Politik:

  • die Stärkung der Fachkräftegewinnung und Nachwuchssicherung durch Ausbau der Studienund Integrationsmöglichkeiten für qualifizierte Fachkräfte im Land
  • eine explizit auf Freiberufler ausgeweitete Wirtschafts- und Investitionsförderung für kleine und mittlere Freiberufler-Unternehmen
  • die Stärkung digitaler Verwaltungs- und Dienstleistungsprozesse zur Erleichterung der täglichen Arbeit
  • die langfristige Stärkung der Berufskammern durch eine Reform des Berufsrechts auf Bundesund

Position 2: Nachwuchs / Fachkräfte sichern

Als Absolventin der Hochschule Wismar bin ich voller Motivation ins Berufsleben in Mecklenburg-Vorpommern gestartet. Statt Gestaltungsfreude prägten jedoch Papierberge, langwierige Verfahren und fehlende Digitalisierung meinen Einstieg. Wer junge Fachkräfte mit Bürokratie ausbremst, verspielt Zukunft. Frust darf nicht das erste Berufserlebnis sein. Wenn das Land von frischem Tatendrang und hoher Kompetenz profitieren will, braucht es endlich schlanke, digitale und verlässliche Strukturen.

Antje Windhorst, Innenarchitektur Master of Arts, Juniormitglied Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern

Im Studium werden wir zu einer selbstständigen kreativen Architektin ausgebildet. In der Praxis erleben wir eine kaum zumutbare Grundlage zur Umsetzung dieser Selbstständigkeit. Nur noch 28 % der Absolvent:innen machen sich auf den Weg in die Selbstständigkeit. Das führt auch zu fehlendem Nachwuchs in den Kammern. Der Beruf der Architektin wandelt sich und die Grundlagen dieser Berufung stehen noch im letzten Jahrhundert fest. Gerade mal 1 % der Architekturbüros in Deutschland werden von Frauen geführt. Obwohl jährlich 28.000 Frauen das Studium beenden und nur 18.000 Männer. Für selbstständige Frauen ist nicht einmal der Mutterschutz gesetzlich abgesichert. Wie soll sich da eine Frau für die Selbstständigkeit entscheiden?

Sofie Wagner, Architektin, nuko PartGmbB, Vorsitzende des Ausschusses Nachwuchs der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern

Die Zukunft des Landes Mecklenburg-Vorpommern wird von unserem Nachwuchs gestaltet. Die Architektenschaft trägt dabei eine besondere Verantwortung – in kultureller, gesellschaftlicher und gestalterischer Hinsicht.

Das Berufsbild der Architektin ist frühzeitig als kreativer und gesellschaftlich relevanter Beruf sichtbar zu machen. Verwaltungsprozesse sind konsequent zu digitalisieren und zu vereinfachen, um Berufseinstieg und Selbstständigkeit zu erleichtern. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere für Frauen in der Selbstständigkeit, ist strukturell zu stärken. Integration und Chancengleichheit für internationale Fachkräfte sind konsequent zu fördern – insbesondere in Form von sprachlicher Bildung, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Ziel ist es, attraktive und zukunftsfähige Rahmenbedingungen für junge Fachkräfte und Studierende unserer Branche in Mecklenburg-Vorpommern zu schaffen.

Ganz konkret fordern wir von der Politik:

  • Architekturbildung soll selbstverständlich zur Schul- und Lehrerausbildung dazugehören.
  • Behörden und Kammern müssen transparenter und digitaler arbeiten.
  • Familie und Beruf müssen besser vereinbar sein – besonders für selbstständige Frauen.
  • Mecklenburg-Vorpommern braucht nachhaltige Mentoring-Programme für Büros und junge, internationale Fachkräfte.

Position 3: Die Bauwende nachhaltig gestalten

Nachhaltigkeit ist für uns kein Zusatz, sondern der Ausgangspunkt jeder Planung. Wir denken Architektur als Verantwortung – für Mensch und Umwelt, für heute und morgen. Unser Ziel ist es, mit jedem Projekt einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen, lebenswerten (Um-)Welt zu leisten. Denn nachhaltiges Bauen ist längst mehr als ein Trend: Es ist unser gemeinsamer Auftrag.

Carola Bardubitzki, Architektin, Mitglied der AG Nachhaltigkeit und Klimaanpassung der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern

Dass Klimaziele verfehlt werden und Emissionen kaum sinken, ist eine dramatische Entwicklung. Wissenschaft und Forschung zeigen Lösungen auf. Sie müssen konsequent in politische Entscheidungen übersetzt sowie aktiv gefordert und gefördert werden. Klimaschutz gehört ganz nach oben auf die politische Agenda – im Interesse der kommenden Generationen.

Thomas Kaase, Architekt und Innenarchitekt, DGNB-Auditor, Vorsitzender der AG Nachhaltigkeit und Klimaanpassung der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern

Laut dem Weltwirtschaftsforum verursacht der Bau- und Gebäudesektor weltweit rund 39 % der gesamten CO2-Emissionen. Davon entfallen etwa 28 % auf den Betrieb von Gebäuden (Heizung, Kühlung, Strom) und 11 % auf die Herstellung von Baumaterialien und den Bauprozess selbst. Im Jahr 2022 fielen in Deutschland ca. 220–230 Millionen Tonnen Bauund Abbruchabfälle an. Mit einem Anteil von 55 % stellt es die größte Abfallgruppe Deutschlands dar. 51 Hektar pro Tag werden in Deutschland neu für Siedlung und Verkehr in Anspruch genommen. Das entspricht rund 70 Fußballfeldern – jeden Tag.

Die aktuellen Herausforderungen im Bau- und Gebäudesektor verlangen entschlossenes Handeln und bieten zugleich enorme Chancen für nachhaltige Entwicklung. Die Architektinnen und Architekten Mecklenburg-Vorpommerns nehmen ihre Verantwortung ernst und gestalten die Bauwende aktiv mit. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, braucht es klare politische Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen und nachhaltiges Planen und Bauen fördern. Mecklenburg-Vorpommern kann als „kleines Land“ Vorreiter werden – wenn Politik und Berufsstand gemeinsam handeln.

Ganz konkret fordern wir von der Politik:

  • Nachhaltigkeit verbindlich im Planungsprozess verankern: Lebenszyklus, Klima- und Ressourcenschutz in frühen Planungsphasen stärken
  • Bestand vor Neubau: Priorisierung von Umbau, Sanierung und Wiederverwendung des Gebäudebestands
  • regionale Ressourcen und zirkuläres Bauen fördern: Nutzung nachwachsender Rohstoffe und kurze Lieferwege
  • Vereinfachung und Entbürokratisierung: nachhaltiges Bauen durch vereinfachte Regelwerke ermöglichen
  • Qualität vor Preis in öffentlichen Verfahren: langfristige Qualität als maßgebliches Zuschlagskriterium

Position 4: Bauen als kulturellen Wert wiedererkennen

Baukultur ist eine Gemeinschaftsaufgabe, Gestaltungsbeiräte leisten hierzu einen wertvollen Beitrag. Gestaltungsbeiräte sind ein öffentliches Gremium, um baukulturelle Fragen im offenen Diskurs zu erörtern. Sie sind ein wichtiges Instrument des Ausgleichs der unterschiedlichen Interessen, sie tragen dazu bei, die städtebauliche und architektonische Qualität zu erhalten und zu befördern, besonders heute, wenn Städte ihr Stadtbild als Kulturgut schätzen gelernt haben. Baukunst- und Gestaltungsbeiräte haben die Aufgabe als unabhängiges Gremium die vor Ort tätige Verwaltung zu beraten und zu unterstützen. Sie sind ausschließlich beratend tätig, damit verbleibt die Entscheidung der Bauverwaltung vor Ort, sie profitiert aber von dem externen Sachverstand.

Prof. Joachim Andreas Joedicke, Architekt, Vizepräsident der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates der Hansestadt Stralsund

Baukultureller Anspruch darf auch in Zeiten leerer Kassen nicht einfach abwählbar sein. So opfern wir für den billigsten Preis unsere regionale Identität. Das ist es doch nicht wert!

Judith Isenberg, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin, Vorstandsmitglied der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern

Der hohe kulturelle Wert unserer gebauten Umwelt ist im Zuge gesellschaftlicher Debatten der letzten 10 Jahre zunehmend „unter die Räder“ geraten. In Zeiten leerer Kassen, pauschaler Beschleunigungsforderungen und dem Mantra des dringenden Bürokratieabbaus werden Beteiligungsprozesse, Qualitätsdiskussionen und  Gestaltungsansprüche an unsere Umwelt als entbehrlich oder sogar hinderlich wahrgenommen. Zunehmend gehen so wichtige identitätsstiftende Orte und Werte verloren oder werden nicht adäquat weiterentwickelt. Baukulturelle Qualität ist in den aktuellen Investitionsprogrammen von Land und Bund kein relevantes Wertungskriterium. Auch das Engagement des Landes Mecklenburg-Vorpommern selbst bleibt seit Jahren sehr weit hinter vergleichbaren Bundesländern zurück. Die wertvolle Arbeit der meist ehrenamtlich tätigen Baukultur-Akteure erfährt damit wenig Wertschätzung in Politik und Gesellschaft.

Baukultur ist in Mecklenburg-Vorpommern allgegenwärtig. Sie prägt unsere Städte und Regionen u. a. durch die Backsteingotik, Schlösser und Herrenhäuser sowie Bäderarchitektur. Damit ist unsere gebaute Umwelt ein bedeutender Standortfaktor für das Land und zahlreiche Wirtschaftsbereiche! Die Zukunft des Landes hängt entscheidend davon ab, wie wir unsere Städte und Dörfer städtebaulich weiterentwickeln, welche Wohnangebote wir für zunehmend differenzierte Lebensstile schaffen und wie qualitätvoll wir bestehende oder neue Daseinsvorsorgeeinrichtungen gestalten! Baukulturelle Qualität ist dabei kein „Add-on“ für besondere Bauaufgaben, sondern ist für jedes Bauvorhaben wichtiger Anspruch und Selbstverständlichkeit!

Ganz konkret fordern wir von der Politik:

  • Baukulturelle Wertungskriterien in jeder Investitionsförderung von Land und Bund!
  • Stärkung nachhaltiger kultureller Identitäten und Kreisläufe in den Regionen durch Weiternutzung und Weiterentwicklung örtlicher städtebaulicher Strukturen und Gestaltungsgrundsätze
  • Durchführung von qualitätsorientierten Vergabeverfahren für alle öffentlichen Bauvorhaben, insbesondere im Bereich Bildung und Öffentlicher Infrastruktur
  • Aufbau einer substanziellen Baukulturförderung auf Landesebene in Mecklenburg-Vorpommern

Position 5: Wohnungsbau im Bestand und Neubau entwickeln

Kostengünstiger Wohnungsbau kann nicht nur als eine pragmatische Antwort auf den Wohnungsmarkt verstanden werden, sondern auch als eine Möglichkeit, gesellschaftliche Werte und Baukultur zu fördern. Gebäude müssen funktional sein, Architektur trägt aber eine soziale Verantwortung. Architektonische Lösungen erfüllen nicht nur die Bedürfnisse des Wohnungsbaus, sie tragen dazu bei, den urbanen Raum lebenswerter und gerechter zu gestalten.

Florian Winter, Stadtplaner, Vorstandsvorsitzender SRL e. V. Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung

Meine Praxis der letzten Jahre zeigt, dass Projekte im Bestand – ob als Ersatzneubau, Aufstockung oder Umnutzung – nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich tragfähig und sozial integrierend sein können. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Innenentwicklung und zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Die Wohnraumentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern ist geprägt von Gegensätzen: Wohnungsmangel in wachsenden Städten steht Leerstand in ländlichen Räumen gegenüber. Eine weiterhin ungesteuerte Ausweisung neuer Wohnbauflächen ist vor diesem Hintergrund nicht zielführend.

Carsten Nielsen, Architekt, Vorstandsmitglied der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern

Ein (Bau-)Turbo für den Wohnungsbau? Auf allen Kanälen in der ganzen Republik wird der Mangel an Wohnraum beklagt und eindringlich eine Beschleunigung für den Wohnungsneubau gefordert. Egal wo und wie – Hauptsache schnell und billig! Aber gilt das auch für M-V? Bei genauerer Analyse wird deutlich, dass die Situation in Mecklenburg-Vorpommern komplexer ist – einem erheblichen Wohnungsmangel in einzelnen (!) Städten und Gemeinden stehen Stagnation und Leerstand in den ländlichen Räumen gegenüber. Darf die Lösung hier weiter die ungesteuerte Neuausweisung von individuellen Wohnbauflächen sein, wenn gleichzeitig anderswo Wohnraum leer steht?

Gutes Wohnen ist ein zentrales Element der öffentlichen Daseinsfürsorge und bildet den Ausgangspunkt für viele gesellschaftliche Weichenstellungen für die Wirtschaft, die öffentliche Infrastruktur und eine hohe Lebensqualität im Land. In einem derart disparaten Entwicklungsraum wie Mecklenburg-Vorpommern liegen in einer aktiv gesteuerten Wohnungsbaupolitik mit Plan (!) große Chancen für die gleichwertige Entwicklung aller Lebensräume im Land! Gleichzeitig kommt den Architektinnen und Architekten in der weiteren nachhaltigen Entwicklung unseres Landes eine hohe Verantwortung zu – die sich mit weiterer Erschließung neuer Baulandflächen für Eigenheime sowie der gleichzeitigen Vernachlässigung ungenutzter Bestände nach unserer Überzeugung nicht mehr vereinbaren lässt. In Mecklenburg-Vorpommern stehen wir also vor differenzierten transformatorischen Herausforderungen – die Kompetenz von Planerinnen und Planern ist gefragter denn je!

Ganz konkret fordern wir von der Politik:

  • die Entwicklung einer wohnungsbaupolitischen Gesamtstrategie für M-V mit auf den konkreten Bedarf zugeschnittenen Lösungsansätzen
  • eine Priorisierung der Transformation und Entwicklung der Bestände
  • eine nachhaltige Verflechtung städtischer und ländlicher Entwicklungsräume im Wohnungsbau durch gute Mobilitätskonzepte
  • bezahlbare Lösungen für das Wohnen durch Einfaches Bauen
  • robuste Förderinstrumente für nachhaltigen Neubau und Sanierung

Position 6: Kleinteilige Wirtschaftsstrukturen fördern

Die Ressourcen der regionalen Planer zur Umsetzung der Aufgaben des Konjunkturpaketes sind nur unter Berücksichtigung regionaler Interessen umsetzbar.

Matthias Brenncke, Architekt, Vorsitzender des Vergabeausschusses der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern

Durch die Landesregierung und Kommunen in M-V werden mittelgroße Bauvorhaben aktuell in konzentrierten Gesamtvergaben von Bau- und Planungsleistungen angestrebt, was zu einer Entlastung der Vergabestellen führt. Jedoch wird dadurch gerade klein- und mittelständischen Unternehmen und Planungsbüros, die prägend für unser Bundesland sind, die Existenz zunehmend erschwert.

Christiane Albert, Innenarchitektin, Vorstandsmitglied der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern

Öffentliche Räume und Gebäude sind identitätsstiftend für unsere Städte und Gemeinden. Durch Investitionen der Öffentlichen Hand wird die zukünftige Gestaltung unseres Landes wesentlich geprägt. Investitionen sind nicht nur Wirtschaftsmotor für die Baubranche, sondern fördern die kulturelle Weiterentwicklung und ermöglichen zukunftsfähige Räume für die Gesellschaft. Dazu gehört in Mecklenburg-Vorpommern eine regional vernetzte und breit aufgestellte Wirtschafts- und Vergabepolitik, die die Besonderheiten der ländlich geprägten Wirtschaftsräume berücksichtigt
und gezielt weiterentwickelt.

Unsere vielfältige und mittelständisch geprägte Planerlandschaft ist in der Lage, zukünftige Projekte in kreativer und gesellschaftlicher Verantwortung umzusetzen. Voraussetzung dafür ist, dass die wirtschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür vorhanden sind. Das Tariftreue- und Vergabegesetz Mecklenburg-Vorpommern bildet den gesetzlichen Rahmen für öffentliche Vergaben und ist somit wesentlich dafür, dass eine nachhaltige, regionale und qualitätsorientierte Wertschöpfungskette entsteht. Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg ist allerdings die auf die regionalen Verhältnisse fokussierte Anwendung der Gesetze und Richtlinien durch öffentliche Vergabestellen. Hier besitzt das Land in der Umsetzung eine wichtige Vorbildwirkung für die kommunalen Vergabestellen.

Ganz konkret fordern wir von der Politik:

  • Verpflichtung zur Anwendung der aktuellen Gesetze im Sinne des regionalen Mittelstandes
  • wirtschaftlich und zukunftsfähig ausgerichtete Vergaben unter Berücksichtigung der vorhandenen Planerstruktur (Einzellosvergabe, Wettbewerbsverfahren, keine Generalplaner-Vergaben, keine Generalübernehmer)
  • Nachhaltige Beschaffung unter Anwendung der dafür erforderlichen Qualitätskriterien
  • qualitätsorientierte Vergabe von Planungsleistungen im Leistungswettbewerb
  • formelle Anforderungen an Referenzen und Leistungsfähigkeit auf die für die konkrete Vergabe relevanten Punkte reduzieren
  • Durchführung von Planungswettbewerben als Qualitätswerkzeug